Bei den aus der Systemtheorie her bekannten linearen zeitinvarianten (LTI) Systemen (der Art von Abbildung 1) kann man die Frage stellen, wie ein Zufallsprozeß X(𝑡) am Eingang auf Y(𝑡) am Ausgang übertragen wird. Aus Sicht des Ein- und Ausgangssignals 𝑋(j𝜔) bzw. 𝑌(j𝜔) im Bildbereich wissen wir, daß ein solches System durch die Gleichung

beschrieben werden kann. Dabei ist H(j𝜔) die komplexe Übertragungsfunktion des Systems im Bildbereich der FOURIER-Transformation. Sicherlich rechtfertigt diese Beziehung auch den durch einfache Variablensubstitution entstehenden Ausdruck 𝑌(−j𝜔) = H(−j𝜔)𝑋(−j𝜔) oder äquivalent 𝑌∗(j𝜔) = H∗(j𝜔)𝑋∗(j𝜔). Multipliziert man jetzt die Gleichungen für 𝑌(j𝜔) und 𝑌∗(j𝜔) miteinander, dann erhält man den quadratischen Amplitudengang des Systems.

Berücksichtigt man außerdem, daß
und bildet sowohl links- als auch rechtsseitig mit lim 𝑇→∞1/𝑇 den Grenzwert,

so erhält man auf der Grundlage des WIENER-CHINTCHIN-Theorems (Gleichung 57) die Beziehung zwischen den spektralen Leistungsdichten der Ein- und Ausgangsprozesse im Frequenzbereich.
| (58) |
Im Zeitbereich ergibt sich daraus bei Anwendung des Faltungssatzes der FOURIER-Transformation

und so für die (zeitinvarianten) Autokorrelationsfunktionen:
| (59) |
Bedenkt man noch, daß die Übertragungsfunktion eines LTI-Systems gleichzeitig die Fourier-Transformierte der Impulsantwort h(𝑡) ist,

und immer die Beziehung
2 = H(j𝜔)H∗(j𝜔) gilt, so kann man (wieder mit dem Faltungssatz
der FOURIER-Transformation) Gleichung 59 als zweifache Faltung darstellen.
| (60) |
Faßt man der Übersichtlichkeit halber noch (h ∗h∗)(𝜏) als Energie-AKF 𝜑H(𝐸)(𝜏) eines stabilen LTI-Systems nach Gleichung 54 zusammen,
| (61) |
so erhält man die WIENER-LEE-Beziehung in ihrer geläufigen Form.
| (62) |
Sind 𝑥(𝑡) und 𝑦(𝑡) Signale mit endlicher Energie, dann muß man (wie gewohnt) nur die Division durch lim 𝑇→∞𝑇 überall weglassen, was z. B. aus Formel 58

macht.
Optimalfilter sind (LTI-) Systeme, die eine (angepaßte) Übertragungsfunktion derart besitzen, daß ein additiv gestörtes Nutzsignal möglichst sicher zu detektieren ist. Nach dem Modell in Abbildung 3 benennen wir mit 𝑥(𝑡) das determinierte Signal (der Gesamtenergie 𝐸) und mit 𝑛(𝑡) weißes Rauschen der spektralen Leistungsdichte S 𝑥𝑥(𝜔) = S 0, welches auf dem Übertragungskanal induziert wird.
Das Optimierungsproblem besteht nun darin, zum Abtastzeitpunkt 𝑡0 das Verhältnis von Momentan-Nutzleistung 𝑦2(𝑡0) zur Rauschleisung am Ausgang zu maximieren. Dabei ist (nach Formel 53, Abschnitt 4.2) die Störleistung genau die Autokorrelationsfunktion 𝜑𝑦𝑦(0).

Zuerst drücken wir 𝑦(𝑡0) durch die (für
LTI-Systeme37
typische) Faltung von 𝑥(𝑡) mit der Impulsantwort h(𝑡)
H 𝑜𝑝𝑡(j𝜔) aus.
![[ ]2 [∫︁ ∞ ]2
𝑦2(𝑡0)= (h∗𝑥)|𝑡=𝑡0 = h(𝑡)𝑥(𝑡0 − 𝑡)d 𝑡
−∞](probabil194x.png)
Die Rauschleistung kann z. B. ermittelt werden, indem man ausgehend von Formel 60 ff. 𝜑𝑦𝑦(𝜏) bestimmt. Führt man die gesamte Berechnung im Zeitbereich durch, dann ist in Verbindung mit der Autokorrelationsfunktion des weißen Rauschens 𝜑𝑥𝑥(𝜏) = S 0 𝛿(𝑡) das Ausblendtheorem der DIRAC-Funktion 𝑓(𝑡) ∗𝛿(𝑡 −𝑡0) = 𝑓(𝑡0) hilfreich einzusetzen.

Bringen wir nun beide Zwischenergebnisse zusammen
![[∫ ∞ ]2
𝑦2(𝑡0)- -−∞-h(𝑡)𝑥(𝑡0 −-𝑡)d𝑡--
𝜑𝑦𝑦(0)= S ∫ ∞ h2(𝑡)d 𝑡
0 −∞](probabil196x.png)
und erweitern den Bruch noch um 𝐸 = ∫ −∞∞𝑥2(𝑡)d𝑡, welches mit der Substitution 𝑡 := 𝑡0 −𝑡 in 𝐸 = ∫ −∞∞𝑥2(𝑡0 −𝑡)d𝑡 übergeht.
![2 [∫ ∞ ]2
𝑦-(𝑡0) = -−-∞h(∫𝑡)𝑥(𝑡0-− 𝑡)d𝑡-· ∫-----𝐸-------
𝜑𝑦𝑦(0) S0 ∞ h2(𝑡)d𝑡 ∞ 𝑥2(𝑡0 − 𝑡)d𝑡
−∞ − ∞](probabil197x.png)
Etwas umsortiert (und gesichtet) ist festzustellen, daß hier der Korrelationskoeffizient nach Formel 29 in der zeitlichen Form für Energiesignale
| (63) |
zwischen h(𝑡) und 𝑥(𝑡0 −𝑡) enthalten ist.
![[∫ ∞ ]2
-𝑦2(𝑡0) -𝐸- --−∞-h(𝑢)𝑥(𝑡0-− 𝑢)d-𝑢- -------𝐸------ 𝐸-- 2
𝜑 𝑦𝑦(0)= S0 · ∫ ∞ h2(𝑡)d𝑡 ·∫ ∞ 𝑥2(𝑡 − 𝑡)d 𝑡 = S0 Corr [h(𝑡),𝑥(𝑡0 − 𝑡)]
−∞ −∞ 0](probabil199x.png)
Wie wir aus Abschnitt 2.3.5 wissen, ist der Korrelationskoeffizient dann am größten, wenn beide Funktionen linear abhängig sind, also h(𝑡) = 𝑘𝑥(𝑡0 −𝑡) gilt. Durch FOURIER-Transformation dieser Beziehung gelangt man zur Übertragungsfunktion des Optimalfilters im Bildbereich.

Für das Nutzsignal ergeben sich folgerichtig die Beziehungen:38

Die Leistungsbilanz zum Zeitpunkt 𝑡0 fällt mit Corr(·) = 1 folgendermaßen aus:

Die Wandlung eines zeitkontinuierlichen Eingangssignals 𝑓(𝑡) in ein digitalisiertes Ausgangssignal 𝑞(𝑘𝑇) ist ein Vorgang, der üblicherweise aus den Schritten: Abtasten und Quantisierung besteht [1, S. 3.7], [3, S. 1.7.4]. Die Quantisierung in diskrete Amplitudenwerte erfolgt fast immer durch Einsatz eines Analog/Digital-Wandlers (A/D-Konverter, ADC). Aufgrund der endlichen Anzahl an Quantisierungsstufen entsteht dabei ein Fehler, der sich als Quantisierungsrauschen 𝑛(𝑡) repräsentiert (vgl. Abbildung 4).
Für stationäre ergodische Prozesse ist die Betrachtung von 𝑞(𝑡) zu einem beliebigen Abstastzeitpunkt 𝑘𝑇 ausreichend.39 Wenn Δ die Höhe einer Quantisierungsstufe darstellt,40 dann wird der Signalwert 𝑓(𝑘𝑇) mit Λ ≤ 𝑓(𝑘𝑇) ≤ Λ+Δ bei idealer Quantisierung entweder auf den Wert Λ oder aber Λ+Δ – und zwar mit gleicher Wahrscheinlichkeit – quantisiert. Dadurch ist der Fehler 𝑛 im Intervall −Δ/2 ≤ 𝑛 ≤ Δ/2 gleichverteilt mit der Wahrscheinlichkeitsdichte 𝑝(𝑛) = Δ−1 (vgl. Formel 14). Der Effektivwert des Quantisierungsrauschens kann nun ausgehend von Gleichung 12, mit Hilfe der für die Gleichverteilung gültigen Formeln 15 und 16, gewonnen werden. Beim Einsetzen der konkreten Werte für die Intervallgrenzen (𝑎 = −Δ/2, 𝑏 = +Δ/2) fällt sofort auf, daß der Mittelwert verschwindet und sich die Effektivwertformel 12 weiter vereinfacht.
In der Theorie ist der auf den Eingang des A/D-Wandlers bezogene Effektivwert des Quantisierungsrauschens aus den zugehörigen technischen Daten ermittelbar. Dazu bestimmt man aus der Anzahl von Bit 𝐵 (die typischerweise den A/D-Wandler41 charakterisieren) und der maximal erlaubten Größe des Eingangssignals (üblicherweise die Referenzspannung 𝑈0) die Anzahl der Quantisierungsstufen zu 𝑁 = 2𝐵. Bei linearer Quantisierung ergibt sich als Effektivwert für das dadurch hervorgerufene Rauschen
| (65) |
Die SNR ist als logarithmisches Verhältnis von Signalleistung zur Rauschleistung definiert.

Wird die Leistung jeweils am gleichen Widerstand umgesetzt kann die SNR mittels der Effektivwerte
des Bezugssignals
und des Quantisierungsrauschens ñ ausgedrückt werden.

Bei einem sinusförmigen Nutzsignal
maximaler Aussteuerung ist als größter Spitzenwert 𝑈0 =
anzusetzen.42
Durch Anwendung der Gleichung 65 für die effektive Rauschamplitude kann der maximal erreichbare
Signal-Rausch-Abstand bestimmt werden.
Wesentlich ist die Erkenntnis, daß bei einer Erhöhung der Auflösung des A/D-Wandlers um ein Bit der Signal-Rausch-Abstand linear um 6,02dB zunimmt.43
Oft besteht die Forderung zwischen zwei Impulsen verschiedener Breite 𝑇1 und 𝑇2 zu unterscheiden. Die einfachste Möglichkeit besteht darin, auf den Impulsanfang zu triggern und zu einem günstig gewählten Zeitpunkt 𝑇 das Signal erneut abzutasten (vgl. Abbildung 5). Wird kein gültiger Pegel mehr erkannt, gilt der Impuls als beendet, was mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit darauf hindeutet, daß der Impuls mit der Breite 𝑇1 empfangen wurde. Die Wahrscheinlichkeit, daß es sich um den Impuls der Breite 𝑇2 handelt, ist dann das komplementäre Ereignis.
Geht man davon aus, daß die Impulsbreiten normalverteilt sind,44 wobei 𝜎𝑖 die Streuung und 𝜇𝑖 der Erwartungswert des jeweiligen Impulses sind, dann gilt für die Wahrscheinlichkeitsdichten
![[ ( )2]
𝑝𝑖(𝑡)= √--1---exp −1- 𝑥-−-𝜇𝑖 , 𝑖 = 1,2 .
2 𝜋𝜎𝑖 2 𝜎𝑖](probabil212x.png)
Die zugehörige Verteilungsfunktion (vgl. Definitionsgleichung 6), also die Wahrscheinlichkeit, daß der jeweilige Impuls (also 𝑇𝑖) kürzer als der Wert 𝑡 ist, ist dann
![∫︁ [ ( )]
𝑡 --1---- 1- 𝑢-−-𝜇𝑖 2
Pr(𝑇𝑖 < 𝑡)= 𝐹𝑖(𝑡)= √--- exp −2 𝜎𝑖 d𝑢 .
−∞ 2𝜋 𝜎𝑖](probabil213x.png)
Substituiert man 𝑧 = (𝑢 − 𝜇𝑖)/𝜎𝑖 mit d𝑢 = 𝜎𝑖 d𝑧, dann kann mit der (auch tabelliert vorliegenden) Standard-Normalverteilung Φ(𝑧) gearbeitet werden.45

Die Wahrscheinlichkeit, daß der Impuls mit der Länge 𝑇1 kürzer als 𝑇 ist, entspricht genau der Wahrscheinlichkeit diesen Impuls erkannt zu haben.

Entsprechend gilt für die Wahrscheinlichkeit den Impuls mit der Breite 𝑇2 erkannt zu haben.

Gesucht wird nun der optimale Abtastzeitpunkt 𝑇 , bei dem beide Wahrscheinlichkeiten gleich werden.

Bei gleicher Streuung 𝜎 = 𝜎1 = 𝜎2 für die Pulsbreiten 𝑇𝑖 ist der optimale Abtastzeitpunkt 𝑇 das arithmetische Mittel.

Die Wahrscheinlichkeit, einen der Impulse dabei falsch zu erkennen, liegt bei:46

Geht man dagegen vom gleichen relativen Fehler 𝜀 für beide Pulsbreiten aus, so ergibt sich mit

der optimale Wert zu

Der günstigste Abtastzeitpunkt liegt also beim Quotienten aus quadratisch geometrischem und einfachem arithmetischen Mittelwert der beiden Pulsbreiten. Bei dieser Wahl ist die Wahrscheinlichkeit einen der Impulse falsch zu erkennen
