3 LAURENT-Reihe

Bei der LAURENT-Reihenentwicklung wird davon ausgegangen, daß sich die komplexwertige Funktion 𝑓(𝑧) um einen Punkt 𝑧0 C in eine unendliche Reihe der Form

       ∑︁∞
𝑓 (𝑧)=      𝑎𝑛(𝑧 − 𝑧0)𝑛
       𝑛=− ∞
(19)

entwickeln läßt [16, § 5·6,6·1], [3, S. 55]. Integriert man 𝑓(𝑧) auf der Kurve 𝐶 um 𝑧0, wobei

dann ergibt sich mit der Darstellung

                    −2            −1                          2
𝑓(𝑧)= ···+ 𝑎−2(𝑧− 𝑧0)   + 𝑎 −1(𝑧 − 𝑧0)  + 𝑎︸0ˉˉˉ+ˉˉˉˉˉˉˉ𝑎ˉˉˉ1ˉˉˉˉ(ˉˉ&#x02C𝑧− 𝑧0)+ 𝑎2(𝑧 − 𝑧0) + ···
                                                   Φ(                     𝑧)
(20)

für das Integral:17

∮               [∮              ]  ∮                   ∮
            ∑︁−2              𝑛                  −1
 𝐶 𝑓(𝑧)d𝑧 =       𝐶 𝑎𝑛(𝑧 − 𝑧0) d𝑧 +  𝐶 𝑎 −1(𝑧 − 𝑧0) d 𝑧+  𝐶 Φ(𝑧)d 𝑧 .
            𝑛=− ∞

Die Funktion Φ(𝑧) = 𝑛0𝑎𝑛(𝑧 𝑧0)𝑛, der sogenannte Regulärteil, ist analytisch, weshalb dieses Integral verschwindet. Gleiches gilt für das Integral über den Hauptteil (ohne 𝑎1) der LAURENT-Reihe

∑︁∞ ∮
       --𝑎−𝑛---d𝑧 = 0,
𝑛=2  𝐶 (𝑧− 𝑧0)𝑛

was sich ausgehend von Substitutionsformel 11 nachweisen läßt.

pict

Es bleibt also nur das Integral über 𝑎1(𝑧𝑧0)1 übrig, dessen Wert nach CAUCHY’s Integralformel 13 genau 2𝜋j 𝑎1 ist.18 Den Koeffizienten 𝑎1 nennt man das Residuum von 𝑓(𝑧) an der Stelle 𝑧0 und kürzt ihn (meist) mit res𝑧0 𝑓(𝑧) ab.

∮           ∮   𝑎
   𝑓(𝑧)d𝑧 =    --−1-d𝑧 = 2𝜋j𝑎−1 = 2𝜋j res𝑧0 𝑓 (𝑧)
 𝐶           𝐶 𝑧− 𝑧0
(21)

Wie bestimmen sich nun aber die anderen Koeffizienten 𝑎𝑛? Zur Beantwortung dividieren wir einfach Gleichung 20 durch (𝑧𝑧0)𝑛+1.

   𝑓(𝑧)                    −2           −1                                2
(𝑧−-𝑧-)𝑛+1 = ···+ 𝑎𝑛−1(𝑧− 𝑧0) + 𝑎𝑛(𝑧− 𝑧0)  + 𝑎𝑛+1 + 𝑎𝑛+2(𝑧 − 𝑧0)+ 𝑎 𝑛+3(𝑧 − 𝑧0) + ···
     0

Integration über die neu gebildete Funktion (𝑧𝑧0)−(𝑛1)𝑓(𝑧) hat dieselbe Konsequenz wie vordem – es bleibt nur der Term mit dem Exponenten 1 übrig, d. h. sowohl Haupt- als auch Regulärteil verschwinden wieder.

∮  ---𝑓(𝑧)---
   (𝑧 − 𝑧 )𝑛+1 d𝑧 = 2𝜋j𝑎𝑛
 𝐶      0

Durch Kombination der Beziehungen kann man für die Koeffizienten 𝑎𝑛 (𝑛 Z) jetzt eine gemeinsame Berechnungsvorschrift angeben.

      1 ∮     𝑓(𝑧)
𝑎𝑛 = 2𝜋j   (𝑧-− 𝑧-)𝑛+1 d𝑧
         𝐶      0
(22)

Aus vorangegangener Formel ist der Zusammenhang zwischen Holomorphie und Analytizität einer komplexen Funktion 𝑓(𝑧) erklärbar. Nehmen wir dazu an, daß 𝑓(𝑧) in 𝑧0 holomorph ist – dann

         ∮
    ꎧ||| -1-    --𝑓-(𝑧)----d𝑧 = 𝑓-(𝑛)(𝑧0)   (𝑛 ≥ 0)
𝑎  =|| 2𝜋j∮ 𝐶 (𝑧− 𝑧0)𝑛+1        𝑛!
 𝑛  || -1-              |𝑛| −1
    ||⎩ 2𝜋j  𝐶 𝑓 (𝑧)(𝑧− 𝑧0)   d𝑧 = 0     (𝑛 < 0)
(23)

Die LAURENT-Reihe entartet in diesem Sinne zu einer Potenzreihe, woraus folgt, daß die Funktion 𝑓(𝑧) analytisch ist. Sollte 𝑓(𝑧) im Punkt 𝑧0 dagegen nicht holomorph sein, dann haben wir es mit einer Singularität zu tun, d. h. ihre LAURENT-Reihe ist von der TAYLOR-Reihe verschieden. Welche Fälle dabei zu unterscheiden sind, stellt der folgende Abschnitt dar.