1 Differentiation

1.1 CAUCHY-RIEMANN’sche Differentialgleichungen
1.2 Harmonische Funktionen
1.3 Funktionaldeterminante analytischer Funktionen
1.4 Die Funktion (𝑧𝑧0)𝑛

1.1 CAUCHY-RIEMANN’sche Differentialgleichungen

Holomorphe bzw. analytische Funktionen2 sind solche, deren Grenzwert

d𝑓-(𝑧)       𝑓(𝑧+-ℎ)-− 𝑓-(𝑧)
  d𝑧  = lℎim→0       ℎ      ,     𝑧 ∈ C
(1)

existiert und eindeutig ist, die also an der Stelle 𝑧 differenzierbar sind. Man fordert hierbei nicht unbedingt, daß 𝑓(𝑧) für alle 𝑧 einen solchen Grenzwert hat – man kann sich auch auf ein bestimmtes Gebiet beschränken.3 Die “Einwertigkeit” des Grenzwertes (One-Valued) spielt auf Funktionen an, bei denen er davon abhängt, aus welcher Richtung man sich nähert. Er kann sogar dann existieren, wenn der Funktionswert selbst nicht existiert (wie z. B. sin 𝑧/𝑧 an der Stelle 𝑧 = 0). Nicht analytisch sind unter anderen die Funktionen 1/(𝑧𝑎) bei 𝑎 oder auch log 𝑧 für 𝑧 = 0.

Eine Schlußfolgerung von B. RIEMANN in Bezug auf die “Einwertigkeit” des Differentialquotienten (nach Gleichung 1) der analytischen Funktion 𝑓(𝑧) = 𝑢(𝑥,𝑦) + j𝑣(𝑥,𝑦) mit 𝑧 = 𝑥 + j𝑦 war, daß bei Annäherung in 𝑥-Richtung, also bei konstantem 𝑦 (horizontal) der gleiche Grenzwert gelten muß, wie bei Annäherung aus 𝑦-Richtung (bei konstantem 𝑥, also vertikal).4

            𝜕𝑓-(𝑧)- =   𝜕𝑓(𝑧)-                             (2)
             𝜕 𝑥       𝜕 (j𝑦)
𝜕𝑢(𝑥,𝑦)   𝜕𝑣(𝑥,𝑦)        𝜕𝑢(𝑥,𝑦)  𝜕 𝑣(𝑥,𝑦)
--𝜕𝑥----+ j--𝜕𝑥--  =   −j--𝜕𝑦---+ ---𝜕𝑦--

Vergleich von Real- und Imaginärteil liefert die CAUCHY-RIEMANN’schen Differentialgleichungen5

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und wegen der Unabhängigkeit des Grenzwertes von jedweder Annäherungsrichtung (d𝑓/d𝑧 = 𝜕𝑓/𝜕𝑥 = 𝜕𝑓/𝜕(j𝑦)) außerdem

 ′     𝜕-𝑢(𝑥,𝑦)   𝜕𝑣(𝑥,𝑦)   𝜕𝑣(𝑥,𝑦)   𝜕𝑢(𝑥,𝑦)-
𝑓 (𝑧)=    𝜕𝑥   + j  𝜕𝑥   =    𝜕𝑦   − j  𝜕𝑦
(4)

bzw.

𝑓′(𝑧)= d𝑓(𝑧) = 𝜕𝑓(𝑧)-= −j𝜕𝑓(𝑧)-.
         d𝑧     𝜕 𝑥       𝜕 𝑦
(5)

1.2 Harmonische Funktionen

Differenziert man beide Teile der CAUCHY-RIEMANN’schen Differentialgleichungen 3 jeweils nach 𝑥 und 𝑦

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und addiert/subtrahiert sie daraufhin diagonal, so erhält man (wegen der Vertauschbarkeit der Reihenfolge von partiellen Ableitungen, Satz von SCHWARZ):

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Real- und Imaginärteil analytischer Funktionen sind harmonische bzw. Potentialfunktion, d. h. sie genügen den LAPLACE-Gleichungen Δ𝑢 = 𝑢𝑥𝑥 +𝑢𝑦𝑦 = 0 und Δ𝑣 = 𝑣𝑥𝑥 +𝑣𝑦𝑦 = 0. Außerdem ist wegen

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auch 𝑓′(𝑧) und jede weitere Ableitung wieder analytisch.

1.3 Funktionaldeterminante analytischer Funktionen

Nimmt man 𝑓(𝑧) als Abbildung des Vektors z = (𝑥,𝑦)T auf f = (𝑢,𝑣)T wahr, dann ist oftmals die Funktionaldeterminante (JACOBI-Determinante) von besonderem Interesse.6 Gerade für analytische Funktionen hat sie eine sehr einfache Lösung, welche sich ebenfalls aus den CAUCHY-RIEMANN’schen Differentialgleichungen ableitet.

|      |  ||        ||                    (   )2  (   )2
||𝜕(𝑢,𝑣)||= || 𝑢𝑥  𝑢𝑦 ||= 𝜕𝑢-· 𝜕𝑣-− 𝜕𝑢-· 𝜕-𝑣 = 𝜕𝑢  +  𝜕𝑣- = |𝑓′(𝑧)|2
|𝜕(𝑥,𝑦)|  | 𝑣𝑥  𝑣𝑦 |  𝜕𝑥  𝜕𝑦   𝜕𝑦  𝜕 𝑥    𝜕𝑥      𝜕𝑥

Eine Schlußfolgerung ist die, daß für alle Punkte 𝑧 der komplexen Ebene, an denen 𝑓′(𝑧) eine Wert ungleich Null hat, die Funktionaldeterminante nicht verschwindet.7 Sollte 𝑓′(𝑧) in der Umgebung von 𝑧 außerdem noch stetig sein, dann existiert eine (eindeutige) Umkehrfunktion 𝑧 = 𝜓(𝑓) für alle 𝑓 C\{0}.

1.4 Die Funktion (𝑧𝑧0)𝑛

Besondere Bedeutung für viele Beweise der komplexen Analysis hat die Funktion (𝑧𝑧0)𝑛. Hier soll einmal mit Hilfe der CAUCHY-RIEMANN’schen Differentialgleichungen deren Holomorphiegebiet bestimmt werden.8 Wir gehen dazu von Gleichung 2 aus und bilden die partiellen Ableitungen nach 𝑥 und 𝑦. Zur Vereinfachung soll die Exponentialdarstellung 𝑧𝑧0 = 𝑟e j𝜃 verwendet werden, wobei berücksichtigt werden muß, daß eigentlich 𝑟 := 𝑟(𝑥,𝑦) und 𝜃 := 𝜃(𝑥,𝑦) gilt.

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Für die Ableitung nach 𝑦 gibt es bis hierher keinen Unterschied, d. h.

                      (          )
-𝜕-(𝑧− 𝑧0)𝑛 = 𝑛(𝑧− 𝑧0)𝑛 1-𝜕𝑟-+ j𝜕𝜃  .
𝜕𝑦                     𝑟 𝜕𝑦   𝜕𝑦

Setzen wir jetzt (kurz) 𝑧0 = 0 und erarbeiten die Zusammenhänge zwischen den Differentialen der arithmetischen und der Exponentialform für 𝑧 = 𝑥 +j𝑦 = 𝑟e j𝜃. Dazu soll von den bekannten Formeln

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ausgegangen und dann die Ableitungen gebildet werden.

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Jetzt können die so gewonnenen Ausdrücke eingesetzt werden, was mit 𝑧0 = 𝑥0 + j𝑦0 zu

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führt.9 Ähnlich wird mit der Ableitung nach 𝑦 verfahren, nur das gedanklich noch der Zwischenschritt der Substitution nach j𝑦 auszuführen ist.

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Schlußfolgerung: (𝑧𝑧0)𝑛 ist für positives 𝑛 an jeder Stelle 𝑧 analytisch, denn es gilt Gleichung 2 in der Form:

𝜕-(𝑧− 𝑧 )𝑛 = 𝑛(𝑧− 𝑧 )𝑛−1 =-𝜕-(𝑧− 𝑧 )𝑛 =-𝜕--(𝑧− 𝑧 )𝑛 .
𝜕𝑧     0          0      𝜕 𝑥     0    𝜕(j𝑦)     0

Für den Fall 𝑛 < 0 ist 𝑓(𝑧) jedoch nur für 𝑧 𝑧0 analytisch, denn beide Seiten der vorangegangenen Äquivalenz sind sonst unbestimmt. Ein sich daraus ergebendes Resultat, welches in Abschnitt 3 bewiesen wird, ist:

∮              ꎧ|
   (𝑧− 𝑧 )𝑛 d𝑧 = || 0     (𝑛 ≠ −1) .
 𝐶      0      || 2𝜋j    (𝑛 = −1)
               ⎩