3   Frequenztransformationen

3.1  Einleitung
3.2  Hochpaß
3.3  Bandpaß
3.4  Bandsperre

3.1   Einleitung

Aus den Tiefpaßapproximationen kann man durch Transformation der logarithmischen Frequenzachse relativ leicht Filtertypen wie Hochpaß, Bandpaß oder Bandsperre gewinnen [29], [45, 5.4 ff.], [10, S. 4], [9, S. 66.1]. Geht man bei H(𝑠) von einer rationalen Funktion in 𝑠 aus, dann sind die folgenden Substitutionen naheliegend:1

Tabelle 3.1: Frequenztransformationen
Zieltyp 𝑠 := j𝜔 := 𝜔 :=
Tiefpaß -𝑠-
𝜔0 j𝜔-
𝜔0 𝜔--
𝜔0
Hochpaß 𝜔
--0
 𝑠 𝜔
-0-
j𝜔 𝜔
--0
 𝜔
Bandpaß 𝑄(        )
 -𝑠-+ 𝜔0-
 𝜔0    𝑠 j𝑄(        )
 -𝜔-− 𝜔0-
 𝜔0    𝜔 𝑄(        )
 𝜔--− 𝜔0-
 𝜔0   𝜔
Bandsperre -(---1---)-
𝑄  𝑠-+ 𝜔0
   𝜔0   𝑠 -(---j---)-
𝑄 𝜔0 − 𝜔-
   𝜔   𝜔0 --(--1----)
𝑄  𝜔0 − 𝜔-
    𝜔   𝜔0

Die Größe 𝜔0 dient vor allem dem Zweck, eine geeignete Transformation der Grenzfrequenz(en) zu erreichen. Man kann sie sich entweder als physikalische Frequenz oder einheitenlosen Skalierungsfaktor vorstellen, je nachdem ob 𝑠 bei der Tiefpaßapproximation als normiert oder entnormiert angenommen wird.

Abbildung 3.1 stellt die Frequenztransformationen, insbesondere was die Eckfrequenzen 𝜔 = 0, 1,angeht, im logarithmischen Amplitudengang dar.2

PIC

Abbildung 3.1: Frequenztransformationen

3.2   Hochpaß

3.2.1   Übertragungsfunktion

Die spezielle konforme Abbildung 𝑠 := 𝜔0/𝑠 nach Tabelle 3.1 (Inversion3) entspricht im Amplitudengang einer Spiegelung um die Frequenz 𝜔0, wenn man von einer logarithmischen Frequenzachse ausgeht (siehe auch Abbildung 3.2).

PIC

Abbildung 3.2: Hochpaß-Toleranzschema (logarithmisch, 𝜔0 = 𝜔𝑔)

Da bei den Standardapproximationen die normierte Grenzfrequenz üblicherweise zu 𝜔𝑔 = 1 gewählt wird, kann man 𝜔0 = 1 setzen und für die Übertragungsfunktion in der L-Ebene schreiben:

            ( )𝑚         (  )2    ( )
         𝑎   1-  + ···+ 𝑎  1- + 𝑎  1- + 𝑎
         -𝑚--𝑠----------2--𝑠-----1-𝑠-----0
HHP( 𝑠)=    ( )𝑛         ( )2     ( )     .
         𝑏 𝑛 1- + ···+ 𝑏2 1-  + 𝑏1 1-+ 𝑏0
             𝑠            𝑠        𝑠

Multipliziert man noch den Nenner mit 𝑠𝑛 und den Zähler mit 𝑠𝑚, so führt dies zu einer Umordnung der Koeffizienten.

         𝑛−𝑚 𝑎0𝑠𝑚-+-𝑎1𝑠𝑚−1-+ ···+-𝑎𝑚−1𝑠-+-𝑎𝑚
HHP(𝑠)=  𝑠    𝑏0𝑠𝑛 + 𝑏1𝑠𝑛−1 + ···+ 𝑏𝑛−1𝑠+ 𝑏𝑛
(3.1)

3.2.2   Pole und Nullstellen

Die Wirkung der Transformation auf die rationale Übertragungsfunktion nach Formel 3.1 korrespondiert mit einer bestimmten Verschiebung der Pol- und Nullstellen in der komplexen Ebene. Sehen wir uns dazu die Übertragungsfunktion H(𝑠) eines Tiefpaß’ in Linearfaktordarstellung an.

              𝑚
         𝑎𝑚  𝜇=1(𝑠− 𝑠◦𝜇)
HLP(𝑠)=  ---·-𝑛--------
         𝑏𝑛     (𝑠− 𝑠✕𝜈)
             𝜈=1

Einsetzen der Substitution 𝑠 := 𝑠1 läßt daraus

pict

werden, d. h. :

3.3   Bandpaß

3.3.1   Übertragungsfunktion

Ein Bandpaßsystem hat typischerweise einen Durchlaßbereich, welcher sich von 𝜔𝑔1 bis 𝜔𝑔2 erstreckt (siehe Abbildung 3.3).

PIC

Abbildung 3.3: Bandpaß-Toleranzschema (logarithmisch, 𝜔0 = 1)

Aus dem Tiefpaß-Amplitudengang läßt sich eine solche Charakteristik ableiten, wenn man die Transformationsbeziehung (nach Tabelle 3.1)

        (          )
𝜔LP = 𝑄  𝜔BP-− -𝜔0- ,
         𝜔0    𝜔BP
(3.2)

anwendet. Die Kreisfrequenz 𝜔0 nimmt in diesem Fall die Bedeutung einer Mittenfrequenz an, 𝑄 bezeichnet man als Güte. Die Interpretation von 𝜔0 wird einsichtig, wenn man Gleichung 3.2 folgendermaßen umformt (vgl. auch [30, S. 7–1]):

       𝜔2BP −-𝜔20   (𝜔BP-−-𝜔0)(𝜔BP-+ 𝜔0)
𝜔LP = 𝑄  𝜔 𝜔    = 𝑄        𝜔 𝜔          .
          0 BP              0  BP

Um auch für die Güte 𝑄 eine anschauliche Aussage zu erhalten, wenden wir (nach Vereinfachung für 𝜔0 = 1) auf

 2    𝜔LP-
𝜔BP −  𝑄 𝜔BP − 1 = 0

die quadratische Lösungsformel (vorerst formal) an:

              √︄(-----)2---
𝜔     = 𝜔LP-±    𝜔LP-  + 1 .
  BP1,2  2 𝑄      2𝑄
(3.3)

An Hand der mehr anschaulichen Umformung

(         )    (       )(       )
       𝜔LP-2    𝜔LP-     𝜔LP-
 𝜔BP − 2𝑄    =  2𝑄  − 1   2𝑄 − 1

wird deutlich, daß 𝑄 insbesondere auf die Skalierung der Tiefpaßfrequenz 𝜔LP und in Folge auf die Breite des Durchlaßbereichs wirkt.

Was wir bezüglich Formel 3.3 noch berücksichtigen müssen ist die Tatsache, daß sich Frequenztransformationen sowohl auf positive als auch negative Kreisfrequenzen beziehen. Hinzu kommt, daß wegen

      √︄(-----)----
𝜔LP      𝜔LP  2
2𝑄--<    2𝑄--  + 1

eine der beiden Frequenzen 𝜔BP in der gewonnenen Lösungsformel immer negativ wird. Man darf sich nun insofern nicht täuschen lassen, als das die andere zugehörige Frequenz (mit gleichem Vorzeichen) durch Einsetzen von 𝜔LP erzeugt wird. Für den (normierten) Zusammenhang zwischen 𝜔LP und 𝜔BP ergibt sich aus diesem Grund letztlich:

        √︄ ----------
          (𝜔  )2      𝜔
𝜔BP1,2 =    -LP-  + 1 ±--LP .
           2𝑄          2𝑄
(3.4)

Jede Frequenz des Tiefpasses wird demzufolge auf zwei neue Frequenzen abgebildet, die (arithmetisch) symmetrisch zu dem Wurzelausdruck √-------------
 1 + (𝜔LP/2 𝑄)2 liegen. Für die Abbildung der Grenzfrequenz 𝜔𝑔 = 1 der normierten Approximationsfunktion bedeutet dies:

       √︄ ----------       √︄ ----------
         (   )2             (   )2
𝜔 𝑔1,2 =   -1-  + 1 ± -1-=    -1-  + 1 ± Δ𝜔-
          2𝑄         2𝑄      2𝑄          2

und deshalb für die geometrische Mittenfrequenz des Bandpaß’:4

𝜔 𝑔𝜔 𝑔 = 1 .
  1   2
(3.5)

Den Sinn, 𝑄 als Gütedefinition herzunehmen, unterstreicht folgende Formel für die absolute Bandbreite (bei Mittenfrequenz 𝜔0 = 1):

                1-
Δ𝜔 = 𝜔𝑔2 − 𝜔 𝑔1 = 𝑄 .
(3.6)

3.3.2   Pole und Nullstellen

Was die Transformation der Pol- und Nullstellen angeht, so gilt dafür ebenfalls Formel 3.4. Um eine gewisse Geradlinigkeit zu wahren, wählen wir jedoch den “umständlichen” Weg5 und substituieren in der Produktdarstellung

              𝑚
               (𝑠− 𝑠◦𝜇)
         𝑎𝑚- 𝜇=1-------
HLP(𝑠)=  𝑏𝑛 · 𝑛
             𝜈=1(𝑠− 𝑠✕𝜈)

zuerst die L-Variable zu 𝑄(𝑠 +𝑠1).

pict

Aus jedem Linearfaktor der Tiefpaß-Übertragungsfunktion entspringen (wegen des quadratischen Auftretens von 𝑠 in letzter Gleichung) also zwei neue Wurzeln. Die Evaluation erfolgt durch Nullsetzen eines Faktors (hier beispielhaft an einer Nullstelle) und Anwendung der quadratischen Lösungsformel.

             √︄(----)2----
        𝑠◦LP     𝑠◦LP
𝑠◦BP1,2 = 2𝑄 ±    2𝑄   − 1,  mit  𝑠◦BP1𝑠◦BP2 = 1

Zusammenfassend kann festgestellt werden, daß:

3.4   Bandsperre

Zur Bandsperre bleibt nicht soviel zu sagen – vor allem weil sich diese Frequenztransformation wegen

pict

als Kombination von Bandpaß- und Hochpaß-Transformation erweist (Reihenfolge beliebig, siehe auch anschauliche Darstellung in Abbildung 3.4).

pict

PIC

Abbildung 3.4: Bandsperre-Toleranzschema (logarithmisch, 𝜔0 = 1)

Vergleicht man die Substitutionsvorschrift für 𝜔LP mit der für die Tiefpaß-Bandpaß-Transformation (nach 3.2), so stellt man als Äquivalenz 𝜔LP := 𝜔LP1 fest. Inversion der Tiefpaßfrequenz 𝜔LP in Formel 3.4 ergibt aus diesem Grunde für die Bandsperre:

        √︄ -------------
             (   1   )2     1
𝜔BS1,2 =   1+  2𝑄-𝜔---  ± 2𝑄-𝜔--- .
                  LP          LP
(3.7)

Für die aus der Tiefpaß-Frequenz 𝜔LP = 1 hervorgegangenen Grenzfrequenzen gilt deshalb:

pict