2 Elliptische Integrale

2.1 Überblick
2.2 Unvollständiges elliptisches Integral erster Art
2.3 Vollständiges elliptisches Integral erster Art

2.1 Überblick

Elliptische Integrale sind Integrale der Form 𝑅(𝑤,𝑥)𝑑𝑥, wobei 𝑅 eine rationale Funktion von 𝑤 und 𝑥, 𝑤2 dagegen eine kubische oder biquadratische Funktion von 𝑥 ist.3 Alle diese Parameterintegrale lassen sich auf drei Grundformen reduzieren, die man das LEGENDRE’sche Normalintegral erster Art F(𝜑; 𝑘), zweiter Art E(𝜑; 𝑘) und dritter Art Π(𝜑; 𝑘; 𝑛) nennt [1, 17.4.41 ff.], [19, II, § 3], [9, II–6, § 2].

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Der allen gemeinsame Parameter 𝑘 wird Modul genannt. Außerdem ist mit

 ′  √︁ ----2-
𝑘 =   1− 𝑘
(1)

ein komplementäres Modul definiert. Als hilfreich erweisen sich in vielen Fällen auch die binomischen Darstellungen des Moduls.

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2.2 Unvollständiges elliptisches Integral erster Art

2.2.1 Definition

LEGENDRE’sche Normalform Das unvollständige elliptische Integral erster Art ist in seiner LEGENDRE-Form folgendermaßen definiert

         ∫︁  𝜑      d𝜙
F(𝜑; 𝑘)=      √︃-----------,
           0   1 − 𝑘2sin2𝜙
(3)

wobei mit 𝑘 das Modul und 𝜑 die Amplitude bezeichnet wird.

JACOBI-Form Mit der Substitution 𝑡 = sin 𝜙 in Gleichung 3 gelangt man zu der von C.G.J. JACOBI bevorzugten Form.

         ∫︁  𝑥
F(𝜑; 𝑘)=     √︁-------d𝑡-------,    𝑥 = sin 𝜑
           0   (1− 𝑡2)(1 − 𝑘2𝑡2)
(4)

Beweis. Einsetzen der Substitution sowie der Ableitung d𝑡/d𝜙 = cos 𝜙 in Definitionsgleichung 3 führt sofort zum Ergebnis

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Um im weiteren die Eindeutigkeit zu gewährleisten und außerdem eine einfache Schreibweise des Integrals bei Verwendung des Argumentes 𝑥 zu erhalten, soll außerdem definiert sein:

         ∫︁ 𝑥
F(𝑥; 𝑘)=     √︁------d-𝑡-------.
★         0    (1 − 𝑡2)(1− 𝑘2𝑡2)
(5)

RIEMANN’sche Normalform Eine weitere, heute nicht mehr so geläufige Form, ist die RIEMANN’sche Form. Sie kommt zustande, wenn man in der JACOBI’schen Darstellung nach Gleichung 5 den Term 𝑡2 = 𝜉 substituiert. Mit dem zugehörigen Differential d𝜉 = 2𝑡 d𝑡 ergibt sich so

           ∫︁ √-
         1-   𝑥 -------d𝜉--------
F★(𝑥; 𝑘)= 2  0   √︁ ------------2---
                  𝜉(1− 𝜉)(1− 𝑘 𝜉)

und letztlich (die nicht besonders gekennzeichnete) RIEMANN’sche Normalform des Integrals.

∫︁         d𝜉
   √︁----------------
    𝜉(1 − 𝜉)(1 − 𝑘2 𝜉)

GAUSS-Form Eine von C.F. GAUSS intensiv verwendete Form des elliptischen Integrals erster Art4 ist

∫︁
   𝑤 -------d𝑡--------  1-
 0   √︁(𝑡2 +-𝑎2)(𝑡2-+ 𝑏2)= 𝑎 F(𝜑; 𝑘),  𝑤 = 𝑏tan𝜑
(6)

mit dem Modul

    √︄ ---(-)2-
          𝑏-
𝑘 =   1−  𝑎
(7)

sowie dem komplementären Modul (konform zu Definitionsgleichung 1)

     √︁------  𝑏
𝑘 ′ = 1 − 𝑘2 =--.
              𝑎
(8)

Beweis. Um dieses Integral auf F(𝜑; 𝑘) zurückzuführen, wird zuerst eine passende Substitution nach [1, 17.4.41 ff.] gewählt

tan𝜙 = -𝑡
       𝑏
(9)

und dann mit Hilfe von (tan 𝜙)′ = 1 + tan 2𝜙 = cos 2𝜙 die Ableitung d𝑡/d𝜙 gebildet.

d𝑡-= 𝑏(1+ tan2 𝜙)= --𝑏---
d𝜙                cos2𝜙

Einsetzen in das Ausgangsintegral ergibt

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Vergleich mit Formel 3 zeigt, daß es sich hier um das unbestimmte elliptische Integral erster Art 𝑎1F(𝜑; 𝑘) handelt.5

LEGENDRE’sche Normalform mit Modulwinkel Manchmal wird das elliptische Integral erster Art auch über den sogenannten Modulwinkel Θ, mit 𝑘 = sin Θ, angegeben.6

         ∫︁  𝜑       d𝜙
F(𝜑; Θ)=      √︃---------------
           0   1 − sin2Θ sin2𝜙
2.2.2 Spezielle Werte

Der Funktionswert für 𝜑 = 0 ist trivial und direkt aus Definitionsgleichung 3 ersichtlich.

F(0; 𝑘)= 0

Für 𝜑 = 𝜋/2 entartet die Funktion zum vollständigen elliptischen Integral erster Art K(𝑘), wobei 𝑘 dann die Rolle des Arguments übernimmt (vgl. Abschnitt 2.3).

  𝜋      ∫︁  𝜋2      d𝜙
F(2; 𝑘)=      √︃------------= K (𝑘)
          0    1 − 𝑘2sin2 𝜙
(11)

Der Funktionswert bei 𝜑 = 𝜋 ergibt sich auf dieser Grundlage zu 2K(𝑘).

Beweis.

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2.2.3 Spezielle Module

Für spezielle Module sind geschlossene Lösungen des Integrals möglich.

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2.2.4 Funktionsverlauf

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Abbildung 1: F(𝜑; 𝑘) für verschiedene Module 𝑘

Zuerst sei auf Abbildung 1 verwiesen, die F(𝜑; 𝑘) im Intervall 0 𝜑 𝜋/2 darstellt. Relativ leicht nachzuweisen ist, daß F(𝜑; 𝑘) eine ungerade Funktion ist.

Beweis. Mit der Substitution 𝜙 = 𝜓 in der Definitionsgleichung des Integrals kann man schnell beweisen, daß F(−𝜑; 𝑘) = F(𝜑; 𝑘) gilt.

           ∫︁ −𝜑                ∫︁  𝜑
F(− 𝜑; 𝑘)=      √︃----d𝜙------=      √︃---−-d𝜓-----= −F(𝜑; 𝑘)
            𝜙=0   1− 𝑘2sin2𝜙    𝜓=0   1− 𝑘2sin2𝜓

F(𝜑; 𝑘) ist für alle 𝜑 eine monoton steigende Funktion. Die Begründung liegt in Gleichung 16, der ersten Ableitung von F(𝜑; 𝑘). Für kleine Werte 𝑘 gilt F(𝜑; 𝑘) ≈ 2𝜋-𝜑K(𝑘), was sich direkt aus Abbildung 1 ablesen läßt, wenn man außerdem Gleichung 11 berücksichtigt.

Eine besondere Bedeutung im Zusammenhang mit den elliptischen Funktionen (Abschnitt 3) hat folgende Relation, die auch in Abbildung 2 erkennbar ist.

F(𝜑 + 𝑛𝜋; 𝑘)= F(𝜑; 𝑘)+ 2𝑛K (𝑘)
(14)

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Abbildung 2: F(𝜑; 𝑘) im Intervall 0 𝜑 4𝜋

Beweis. Sie ergibt sich, wenn man mit 𝑛 = 1 beginnt und dann iterativ fortsetzt.

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Außerdem ist Gleichung 14 eine logische Schlußfolgerung, wenn man wie gewohnt das Integral als Fläche unter der periodischen Kurve (1 𝑘2 sin 2𝜙)1/2 interpretiert (vgl. Abbildung 3).

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Abbildung 3: Funktionsverlauf des Integranden (1 𝑘2 sin 2𝜙)1/2

Aus der zweiten Ableitung nach Gleichung 17 und dem Funktionsverlauf entsprechend Abbildung 2 ist ersichtlich, daß die Wendepunkte bei 𝜐 · 𝜋/2 mit 𝜐 Z liegen.

2.2.5 Erste Ableitung

Das Differential von F(𝜑; 𝑘) ist nach dem Hauptsatz der Differential- und Integralrechnung7

F′(𝜑; 𝑘)=  √︃----1-------.
           1 − 𝑘2sin2𝜑
(16)

2.2.6 Zweite Ableitung

Nochmaliges Differenzieren der ersten Ableitung F(𝜑; 𝑘) ergibt

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2.2.7 Imaginäre Argumente

Für imaginäre Argumente entartet das unvollständige elliptische Integral zu

F(j𝜉; 𝑘)= jF [arctan(sinh𝜉); 𝑘 ′] .
(18)

Beweis. Einsetzen des imaginären Arguments im Sinne von 𝜑 = j𝜉 in Definitionsgleichung 3 führt zu

          ∫︁ j𝜉
F(j𝜉; 𝑘)=     --------d𝜙--------.
           𝜙=0√︃          ′2    2
                1 − (1 − 𝑘 )sin 𝜙

Mit der (im Intervall |𝜙| 𝜋/2) eindeutigen Substitution

sin 𝜙 = jtan𝜃
(19)

und deren Ableitung d𝜙/d𝜃 = j/cos 𝜃 kann man das Differential d𝜙/√︃ ____1 𝑘2 sin 2 𝜙 relativ einfach mit Hilfe des komplementären Moduls 𝑘 ausdrücken.8

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Schreibt man die rechte Seite von Gleichung 18 mit Hilfe der GUDERMANN-Funktion gd 𝜉 = arctan(sinh 𝜉), dann gilt entsprechend:

F(j𝜉; 𝑘)= jF(gd 𝜉; 𝑘′).

2.3 Vollständiges elliptisches Integral erster Art

2.3.1 Definition

Das vollständige elliptische Integral erster Art wird meist in den folgenden drei Formen, die sich durch die Art des Arguments unterscheiden, angegeben:

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Häufig ist auch die Darstellung in der LEGENDRE’schen Normalform nach Gleichung 24, die sich wieder mit der Substitution 𝑡 = sin 𝜙 aus Definitionsgleichung 21 ergibt.

        ∫︁ 𝜋
          -2-----d𝜙------
K (𝑘)=      √︃ -----------
         0    1− 𝑘2 sin2𝜙
(24)

Von Bedeutung ist auch das komplementäre elliptische Integral K .

  ′      ′    (√︁ ----2)
K  = K (𝑘 )=  K   1− 𝑘
(25)

2.3.2 Spezielle Werte

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2.3.3 Funktionsverlauf

Die Funktionsverläufe von K und K sowie das Verhältnis beider Integrale für reelles Argument 𝑘 sind in Abbildung 4 dargestellt.

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Abbildung 4: K, K und K/K als Funktion des Moduls 𝑘
2.3.4 GAUSS-Form

Eine schon in Abschnitt 2.2 mit Hinweis auf C.F. GAUSS eingeführte Variante dieses Integraltyps ist

∫︁  ∞
     √︁------d𝑥---------.
 𝑥=0  (𝑥2 + 𝑎2)(𝑥2 + 𝑏2)
(27)

Wie schon in Gleichung 6 kann es auch dargestellt werden als

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Mit dem Modul entsprechend Gleichung 7 ergibt sich die Äquivalenz

∫︁  ∞                       ∫︁ ∞
     √︁------d𝑥---------= 1-    √︁-------d𝑥--------= 1-K(𝑘).
  0   (𝑥2 + 𝑎2)(𝑥2 + 𝑏2) 2  −∞   (𝑥2 + 𝑎2)(𝑥2 + 𝑏2)  𝑎