2 TSCHEBYSCHEff-Funktionen erster Art

2.1 Definition
2.2 Spezielle Werte
2.3 Funktionsverlauf
2.4 Nullstellen
2.5 Erste Ableitung
2.6 Differentialgleichung

2.1 Definition

2.1.1 Analytische Darstellung

Die TSCHEBYSCHEff’sche Funktion erster Art T 𝑛(𝑥) ist definiert als

T𝑛(𝑥)= cos(𝑛 arccos𝑥).
(1)

Wegen cos(j𝜑) = cosh 𝜑 geht T 𝑛 für |𝑥| > 1 in

T𝑛(𝑥)= cosh(𝑛 arcosh𝑥)

über.

2.1.2 Parameterdarstellung

Nimmt man die Substitutionen

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in Ausgangsgleichung 1 vor, dann erhält man für T 𝑛(𝑥) eine Parameterdarstellung durch transzendente Funktionen. Wenn 𝜑 von 𝜋/2 nach +𝜋/2 läuft, dann bewegt sich 𝑥 von 1 nach +1 und 𝑦 alterniert im gleichen Intervall. Andere Werte für 𝑥, die außerhalb des Intervalls [−1,+1] liegen, erhält man, wenn der Parameter 𝜑 imaginär wird. Für diesen Fall gilt:2

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2.1.3 Rekursive (algebraische) Darstellung

Die TSCHEBYSCHEff’schen Funktionen haben eine ganz bemerkenswerte Eigenschaft – sie sind (rekursiv) als algebraische Polynome in 𝑥 darstellbar.3

T𝑛(𝑥)= 2𝑥 T𝑛−1(𝑥)− T𝑛−2(𝑥)
(4)

Die Rekursionsformel kann ausgehend von der Ordnung 𝑛 1 und unter Zuhilfenahme des Additionstheoremes cos(𝛼 +𝛽) = cos 𝛼cos 𝛽 sin 𝛼sin 𝛽 abgeleitet werden.

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Mit der trigonometrischen Multiplikationsformel sin 𝛼sin 𝛽 = [cos(𝛼 − 𝛽)− cos(𝛼 + 𝛽)]/2 ergibt sich weiter

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was nach Umindizierung Gleichung 4 beweist.

Die Anfangswerte für 𝑛 = 0,1 ergeben sich direkt aus Definitionsgleichung 1.

T0(𝑥)= 1,    T1(𝑥)= 𝑥

Exemplarisch sind hier noch die nächsten Polynome aufgeführt.4

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Aus Rekursionsformel 4 ist außerdem erkennbar, daß das Polynom T 𝑛(𝑥) den Grad 𝑛 besitzt.

2.1.4 Irrationale Darstellung

Eine weitere Form der TSCHEBYSCHEff’schen Funktion T 𝑛(𝑥) kann man aus der Parameterbeziehung 2 erhalten, wenn man die EULER’schen Formeln der trigonometrischen Funktionen anwendet.

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            √-2---- 𝑛      √ -2----𝑛
T𝑛(𝑥)=  (𝑥 +-𝑥--− 1-)-+-(𝑥 −-𝑥-−-1)--.
                     2
(5)

Aus Formel 5 kann auch der Leitkoeffizient, also der Koeffizient vor 𝑥𝑛, bestimmt werden.5 Dazu geht man von der allgemeinen Formel für ein algebraisches Polynom aus

        ∑︁𝑛
T 𝑛(𝑥)=     𝑎𝑘𝑥𝑘
        𝑘=0

und bildet einen Grenzwert wiefolgt:

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Umstellen und Zuhilfenahme der irrationalen Darstellung 5 liefert den Wert des Koeffizienten 𝑎𝑛.

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2.2 Spezielle Werte

Die folgenden Werte ergeben sich direkt aus Definitionsgleichung 1.

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2.3 Funktionsverlauf

Die TSCHEBYSCHEff’sche Funktion T 𝑛(𝑥) ist für geraden Grad 𝑛 auch eine gerade Funktion, für ungeraden Grad eine ungerade Funktion.

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Die Form des Polynoms kann deshalb folgendermaßen angenommen werden.

        ꎧ|||𝑛∑/2𝑐 𝑥2𝑘        (𝑛 = 0,2,4,...)
        ||𝑘=0 𝑘
T𝑛(𝑥)=  || (𝑛−∑1)/2   2𝑘
        ||⎩𝑥  𝑘=0 𝑐𝑘𝑥      (𝑛 = 1,3,5,...)
(7)

Der Funktionsverlauf von T 𝑛(𝑥) ist für einige Werte 𝑛 in Abbildung 1 dargestellt.

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Abbildung 1: TSCHEBYSCHEff-Funktionen T 𝑛(𝑥)

Die Funktionen T 𝑛(𝑥) approximieren im Intervall [−1,+1] für eine gegebene Ordnung die Nullinie gleichmäßig.6 Außerdem bilden die TSCHEBYSCHEff’schen Funktionen ein sogenanntes Orthogonalsystem,7 welches für 𝑛 > 0 durch die Beziehung

        ∫︁  +1                ꎧ|
𝛿    = 2-    T-𝑛√(𝑥)T𝑚 (𝑥) d𝑥 = || 0  (𝑛 ≠ 𝑚)
 𝑛 𝑚   𝜋  −1     1− 𝑥2       || 1    (𝑛 = 𝑚)
                             ⎩

gekennzeichnet ist [3, S. 1.2.3.], [1, S. 22.5]. Beweisen läßt sich diese Relation ausgehend von der Parameterdarstellung 2 und der Ableitung 𝑑𝑥/𝑑𝜑 = sin 𝜑 = √------
 1 − 𝑥2, wenn man das Integral folgendermaßen schreibt:

  ∫︁                      ∫︁
2-   +1 T𝑛(𝑥)T-𝑚 (𝑥)    2-  𝜋
𝜋        √-----2  d𝑥 = 𝜋     cos(𝑛 𝜑)cos(𝑚𝜑)d𝜑 .
   −1     1 − 𝑥           0

Durch Erweiterung des Integrationsintervalls auf [−𝜋,+𝜋] erhält man ein bekanntes (vollständiges) trigonometrisches Integral.

  ∫︁ +1                  ∫︁  𝜋
2-    T-𝑛√(𝑥)T𝑚 (𝑥) d𝑥 = 1   cos(𝑛𝜑)cos(𝑚𝜑)d 𝜑 = 𝛿
𝜋  −1     1− 𝑥2        𝜋  −𝜋                     𝑚𝑛

Die rechte Seite der letzten Gleichung enthält das sogenannte KRONECKER-Symbol

      ꎧ
      |||0     (𝑛 ≠ 𝑚)
𝛿𝑚𝑛 = |              .
      |⎩1     (𝑛 = 𝑚)

2.4 Nullstellen

Die Nullstellen 𝑥𝑘 sind leicht aus der (reellen) Parameterdarstellung 2 von T 𝑛(𝑥) zu bestimmen.8

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Damit gilt für 𝑥𝑘

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Die Einschränkung des Wertebereiches für 𝑘 ist an dieser Stelle sinnvoll, da sich wegen der Periodizität des Cosinus sonst Werte für 𝑥𝑘 wiederholen würden.9 Bei ungeradem Grad 𝑛 existiert eine Nullstelle 𝑥𝑘 = 0 für den Index 𝑘 = (𝑛+1)/2.

PIC (a) 𝑛 = 6 PIC (b) 𝑛 = 5

Abbildung 2: Nullstellenverteilung (Δ𝜑 = 𝜋/𝑛)

Betragsmäßig wiederholen sich also die Nullstellen wenn 𝑘 den Symmetriepunkt (𝑛+1)/2 über- bzw. unterschreitet, vgl. Abbildung 2 und [3]. Dieser Fakt kann auch durch die Beziehung 𝑥𝑛𝑘+1 = 𝑥𝑘 ausgedrückt werden.

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Die Linearfaktordarstellung des Polynoms T 𝑛(𝑥) kann mit dieser Erkenntnis und dem schon bekannten Leitkoeffizienten 2𝑛1 vereinfacht werden. Dazu sei zuerst von ungeradem Grad 𝑛 ausgegangen.

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Für gerades 𝑛 gilt

        𝑛−1 𝑛/2  2   2
T𝑛(𝑥)= 2      (𝑥  − 𝑥◦𝑘).
            𝑘=1

2.5 Erste Ableitung

Die erste Ableitung ist zum Beispiel aus der Parameterform 2 zu gewinnen.10

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Mit der (in gleicher Art und Weise gewonnenen) Ableitung von 𝑦 nach dem Parameter 𝜑

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ergibt sich T 𝑛(𝑥) zu

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Die Extremwerte liegen offensichtlich bei cos(𝑘𝜋/𝑛) wobei T 𝑛(𝑥) an diesen Stellen abwechselnd die Werte ±1 annimmt. In Polynomform kann man die Ableitung von T 𝑛(𝑥) recht einfach aus Formel 7 gewinnen.

        ꎧ||2𝑥 𝑛∑/2 𝑘𝑐 𝑥2(𝑘−1)       (𝑛 = 0,2,4,...)
  ′     |||   𝑘=0  𝑘
T 𝑛(𝑥)= ||(𝑛−∑1)/2          2𝑘
        ||      (2𝑘+ 1)𝑐𝑘𝑥      (𝑛 = 1,3,5,...)
        ⎩  𝑘=0
(11)

Ähnlich wie T 𝑛 ist auch T 𝑛(𝑥) in Abhängigkeit von 𝑛 eine gerade oder eine ungerade Funktion.

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2.6 Differentialgleichung

Mit den ersten Ableitungen nach dem Parameter 𝜑 kann man durch Gleichsetzen mit d𝜑 die folgende Differentialgleichung entwickeln [5, S. 45], [6, § 4].11

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Sie wird durch die TSCHEBYSCHEff-Polynome T 𝑛(𝑥) = 𝑘=0𝑛𝑎𝑘𝑥𝑘 erfüllt, deren Koeffizienten 𝑎𝑘 entweder

bestimmt werden können.